Milchsäurebakterien im Darm: Wie sie deine Gesundheit beeinflussen

Milchsäurebakterien im Darm Wie sie deine Gesundheit beeinflussen

Der Mitbewohner meinte zu der quirligen Medizinstudentin: “Giulia, du studierst doch Medizin – wie geht kacken?

Eine Frage, die man nicht oft hört. Und wenn doch, dann in einem lustigen Vortrag von Giulia Enders. Spätestens seit ihrem Bestseller “Darm mit Charm” wissen wir: Der Darm ist ein unterschätztes Organ.

Die junge Forscherin beschreibt mit viel Liebe zum Detail was uns guttut… und was nicht. Dabei stützt sie sich auf wissenschaftliche Studien und zeigt uns, was Forscher über Milchsäurebakterien im Darm herausgefunden haben.

Die Antwort? Die Bakterien sind für unsere Darmgesundheit wichtig. Speziell die Lakto- und Bifidobakterien – ein Teil der etwa 400 probiotischen Bakterien – sind gute Helfer. Erstere sorgen unter anderem für eine gute Umgebung für sich selbst, aber eine schlechte für Eindringlinge. Sie lindern Symptome bei einer Laktose-Intoleranz und pflegen die Darmschleimhaut.

Das ist aber nur die Spitze des Eisbergs. Wir wollten es aber noch genauer wissen und haben über die Milchsäurebakterien im Darm, und die Worte Probiotika und Präbiotika recherchiert. Außerdem zeigen wir dir, welche Lebensmittel richtig angenehm für unseren Körper sind. Disclaimer: Der Artikel ist als Erstinformation für dich gedacht. Das ersetzt keinen medizinischen Rat von einem Arzt.

Der Darm als Farm

In unserem Darm befinden sich laut der Apotheken-Umschau ungefähr 100 Billionen Bakterienzellen. Trotzdem war das Organ lange ein unbearbeitetes Gebiet. Durch neue Forschungsmethoden änderte sich das. Der Darm ist die neue Spielwiese der Wissenschaft. An Ernsthaftigkeit verliert die Forschung dadurch nicht.

Denn die neue Herangehensweise an das Thema führt beispielsweise zu Transplantationen der Darmflora, welche die Darmtätigkeit beim Empfänger oder der Empfängerin verbessert. In der damit gemeinten Studie hatten 18 von 20 Personen wieder eine normale Darmtätigkeit. Diese Forschung hilft vor allem zu verstehen, wie wir den Nebenwirkungen von Antibiotika entgegenwirken. Sehr aufsehenerregend war eine weitere Untersuchung aus dem Jahr 2013. Wissenschaftler transplantierten ängstlichen Mäusen die Darmflora ihrer mutigen Kollegen. Das Ergebnis? Mit der Angst wars vorbei – die Mäuse wurden plötzlich tapfer.

Was wir wirklich tun müssen, um unseren Darm zu Höchstleistungen anzuspornen wird noch untersucht. Ein bisschen wissen wir aber schon darüber. Zum Beispiel, dass Milchsäurebakterien ganz schön wichtig für das Organ und unsere Gesundheit sind.

Was sind Milchsäurebakterien?

Milchsäurebakterien finden sich in deinem Verdauungstrakt, aber auch in Milchprodukten.

Die wichtigsten Bakterien nennen sich ganz eigenartig: “Lakto- und Bifidobakterien“. Sie sind aber besser als du bei diesem Namen glauben könntest.

Die Laktobakterien gehörten zu den allerersten untersuchten Bakterien. 1873 isolierte Joseph Lister die erste bakterielle Reinkultur, die er Bacterium lactis nannte. Dieses Milchsäurebakterium heißt heute Lactococcus lactis und wird zur Fermentierung von Milch verwendet, um hunderte von verschiedenen Milchprodukten herzustellen.

Was machen diese kleinen Helferlein?

Stell dir die Bakterien als nützliche Arbeiter in deiner Darm-Fabrik vor.

Wenn du das nächste mal Spaghetti mit vielen Kohlenhydraten isst, reibt sich bereits eine Milchsäurebakterie die Hände: Neue Lieferung! Los gehts mit der Energieproduktion.

Außerdem sorgen sie dafür, dass Zucker zu Milchsäure wird. Was sich so unscheinbar anhört, ist eine mächtige Funktion.

Denn das wirkt wie eine Polizeikontrolle: Wer betrunken ist, muss zahlen. Die Milchsäurebakterien im Darm stärken deine Abwehrkräfte und ziehen schädliche Bakterien aus dem Verkehr.

Was heißt das konkret? Laktobakterien wirken so:

  • Sie sorgen für eine “saure” Umgebung. Gut für dich, schlecht für Eindringlinge.
  • Sie pflegen die Darmschleimhaut.
  • Sie verdrängen Krankheitserreger.
  • Sie lindern die Symptome bei einer Laktose-Intoleranz.
  • Und am Wichtigsten: Ohne sie gäbe es kein Joghurt zum Müsli!

Diese Bakterien sind bisher am besten untersucht und dürfen sich Probiotika nennen.

Probiotika als gezielte Hilfe

Probiotika sind frei übersetzt als “lebende Mikroorganismen, die – wenn sie in angemessener Dosis verabreicht werden, einen gesundheitlichen Nutzen haben” (“Live microorganisms which when administered in adequate amounts confer a health benefit on the host”, FAO/WHO 2001).

Der Begriff ist relativ neu und bedeutet “für das Leben“. Die enthaltenen Bakterien sollen also eine positive Auswirkung auf unser Wohlbefinden haben.

Für diese Beobachtung müssen wir den russischen Nobelpreisträger Eli Metchnikoff danken. 1907 erwähnte er, dass “die Abhängigkeit der Darmmikroben von der Nahrung es ermöglicht, Maßnahmen zur Veränderung der Flora in unserem Körper zu ergreifen und die schädlichen Mikroben durch nützliche Mikroben zu ersetzen” (Metchnikoff, 1907).

Mit diesem Satz beschrieb er eine interessante Beobachtung, die auch Giulia Enders aufgriff. Bulgarische Bauern wurden damals sehr alt – und er wollte wissen, warum das so ist. Seine Vermutung war, dass es an einem kleinen Beutel lag, in dem sie ihre Milch transportierten. Denn durch die langen Strecken kam es darin zur Umwandlung von Milch zu saurer Milch oder Joghurt. Probiotik als Wort kannte er noch nicht, denn das kam erst in den 1960ern auf. Aber wie wirken Probiotika tatsächlich?

Wie Probiotika wirklich wirken

Probiotika werden unterschiedliche Wirkungen zugeschrieben. Aber welche haben sie wirklich?

Laut dem U.S. Department of Health and Human Services wird hier noch sehr viel geforscht und es muss noch mehr über die Wirkung und Einnahme erfahren werden.  Deshalb können Probiotika vielleicht…

  • dem Körper helfen, eine gesunde Gemeinschaft von Mikroorganismen aufrechtzuerhalten
  • den Mikroorganismen ermöglichen, wieder ihren Platz im Körper zu finden, nachdem es zu einer Störung kam
  • Stoffe produzieren, die eine gesundheitsfördernde Wirkung haben
  • das Immunsystem beeinflussen

Insgesamt sehen die bisherigen Studien zu Probiotika gut aus. Beispielsweise bei Durchfall, Remissionen bei Colitis Ulcerosa oder der Prävention von Darmerkrankungen bei Frühgeborenen. Beispielsweise sah sich 2018 ein Wissenschafter 53 Studien mit insgesamt 5.545 Teilnehmern an, die sich mit Probiotika und dem Reizdarmsyndrom beschäftigten. In der Studie kommt der Forscher zum Ergebnis, dass Probiotika positive Auswirkungen auf die globalen Symptome und Bauchschmerzen haben können. Es war aber nicht möglich, endgültige Schlussfolgerungen über ihre Wirksamkeit zu ziehen.

In folgenden Bereichen sind bereits Studien zur Auswirkung der Probiotika vorhanden:

  • Verdauung
  • Allergien
  • Säuglinge
  • Zähne

Giulia Enders würde noch etwas hinzufügen: Probiotika bzw. die Bakterien führen zu weniger Schadstoffe im Körper und wir können besser Nahrung aufnehmen. Zusätzlich schützen sie unseren Darm, sorgen für weniger Durchfall nach einer Antibiotika-Einnahme, und können bei der Stärkung des Immunsystems helfen.

Die eingenommenen Milchsäurebakterien im Darm sind aber faul. Sie verschwinden, wenn sie nicht täglich einen kräftigen Nachschub an neuen Arbeitern bekommen. Es sind sozusagen schnelle Helfer, die sich nach getaner Arbeit wieder von den dauerhaft im Darm sitzenden Kollegen verabschieden.

Als Ergänzungsmittel kannst du Probiotika offline und online kaufen. Auch bei uns gibt es eine probiotische Kombination mit 13 Stämmen. In Lebensmitteln sind ebenfalls Probiotika enthalten. Dazu kommen wir noch. Zuerst noch zu einem Wort, das oft mit den bisher beschriebenen Mikroorganismen verwechselt wird.

Was sind Präbiotika?

Immer, wenn von PrObiotika gesprochen wird, kommt der Begriff PrÄbiotika auf. Es ändert sich zwar nur ein Buchstabe, aber damit auch der gesamte Kontext.

Hat dich eine Freundin oder ein Freund schon einmal auf ein Eis eingeladen? Genau das machen Präbiotika. Sie laden probiotische Bakterien auf einen gemütlichen Snack ein.

Wie funktioniert das genau? Präbiotika sind unverdauliche Inhaltsstoffe (Ballaststoffe) von Lebensmitteln. Diese Inhaltsstoffe dienen speziell Bifidobakterien als Nahrungsmittel. Jetzt sind die Bifidobakterien gut drauf und arbeiten noch besser daran, schädliche Viren und Bakterien abzuwehren. Präbiotische Lebensmittel sind beispielsweise Knoblauch, Zwiebeln und Artischocken.

Die Ballaststoffe selbst können aber vielleicht auch eine positive gesundheitliche Wirkung haben. Zum Beispiel wird möglicherweise die Kalziumaufnahme und -verwertung erhöht.

Die Milchsäurebakterien im Darm und die Präbiotika sind also ein unschlagbares Team. Wer noch dazu beiträgt, dass deine Darmbakterien richtig feiern, sehen wir uns jetzt an.

Lebensmittel, bei denen dein Darm Luftsprünge macht

Das schöne ist: Mit einer gezielten Ernährung hilfst du deinem Darm und damit dem gesamten Körper, auf Spur zu bleiben. Deshalb stellen wir dir fünf Lebensmittel vor, die oft probiotisch wirken.

5 Lebensmittel, die richtig gut für den Darm sind

1. Joghurt

Joghurt zählt durch die Milchsäurefermentation als gutes Produkt für den Darm. Denn bei der Produktion werden dem Joghurt nützliche Bakterienstämme zugesetzt. Wenn du ein Joghurt kaufst, sollte es aber frisch sein, damit die Bakterien noch lebendig sind. Univ.Prof. Dr. Christoph Gasché meint in einem Interview auf minimed außerdem, dass er das stichfeste Joghurt nehmen würde.

Joghurt zu essen hat gesundheitliche Vorteile, z.B. eine verbesserte Knochengesundheit. Es ist auch für Menschen mit hohem Blutdruck von Vorteil. Bei Kindern kann Joghurt helfen, den durch Antibiotika verursachten Durchfall zu reduzieren.

2. Kefir

Kefir ist ein Getränk, dass aus Kuh- oder Ziegenmilch besteht. Die Kefirkörner enthalten Milchsäurebakterien und sehen wie Blumenkohl aus. Das Wort selbst stammt vermutlich vom türkischen “keyif” ab, was so viel wie “sich gut fühlen” heißt.

Kefir kann die Knochengesundheit verbessern, bei der Verdauung helfen und vor Infektionen schützen. Das Getränk enthält außerdem mehr wichtige Bakterien als Joghurt.

3. Sauerkraut

Sauerkraut ist ein zerkleinerter Kohl und eines der ältesten Lebensmittel in Europa. Schon Seefahrer nutzen Sauerkraut, um sich vor Skorbut zu schützen. Du kennst es wahrscheinlich als Beilage zu einem deftigen Essen. Sauerkraut enthält neben den probiotischen Eigenschaften Vitamin C, B und K.

4. Kimchi

Dieses Gericht wird durch Milchsäuregärung zubereitet und kommt aus der koreanischen Küche. Kimchi enthält den “Lactobacillus kimchii” und kann deshalb als probiotisches Lebensmittel angesehen werden, wie in der Studie “Health benefits of kimchi (Korean fermented vegetables) as a probiotic food.” festgehalten wird. Die Koreaner machen es uns vor: Dort isst man zu fast jeder Mahlzeit das Gericht.

5. Käse

Käse kann Probiotika enthalten, muss es aber nicht. Speziell in Cheddar, Gouda und Mozzarella finden sich lebende Bakterien. Zusätzlich ist Käse reich an Eiweiß, Vitaminen und Mineralien. Genauer: Kalzium, Vitamin B12 und Selen.

Milchsäurebakterien im Darm sind nützliche Helfer

Der Darm ist ein faszinierendes Organ mit wahrscheinlich viel mehr Funktionen als wir uns vorstellen können. Deshalb ist es wichtig, auf diesen wichtigen Teil unseres Körpers aufzupassen. Das beginnt bei der Ernährung und endet bei der ganz individuellen Beobachtung, ob es uns gut geht. Glücklicherweise kennen wir kleine Helferchen namens Milchsäurebakterien, die im Darm für Balance und Einklang sorgen. Die nützlichen Bakterien nennt man auch Probiotika. Die gibts in Lebensmitteln und auch als Nahrungsergänzung. Ein oft verwechselter Freund der Probiotika sind die Präbiotika. Letztere helfen, dass bestimmte Probiotika besser arbeiten. Wichtig ist, dass noch viel zu dem Thema geforscht wird und der Nutzen von einigen Probiotika noch nicht ganz klar ist. Dennoch gibt es Studien, die Probiotika beispielsweise bei Durchfall einen Effekt zuschreiben. Als Giulia Enders damals ihr Buch schrieb, hat sie einen Nerv der Zeit getroffen. Sie hat sich mittlerweile aus dem öffentlichen Leben zurückgezogen. Die Frage ihres Mitbewohners hat sie übrigens beantwortet, aber das ist eine andere Geschichte.

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