Die Wirkung von Selen auf den Krankheitsverlauf bei COVID-19

Die Wirkung von Selen auf den Krankheitsverlauf bei COVID-19

Ein internationales Forscherteam unter der Leitung von Professor Margaret Rayman an der Universität Surrey hat einen Zusammenhang zwischen der Heilungsrate von COVID-19 und dem regionalen Selenstatus in der Nahrung in China festgestellt.

Bei der Veröffentlichung ihrer Ergebnisse im American Journal of Clinical Nutrition untersuchten Forscher anhand von Daten (bis zum 18. Februar) mögliche Zusammenhänge zwischen dem Selengehalt im Körper und den Heilungs- oder Todesraten von Personen mit dem COVID-19-Virus in China.

Selen ist ein essentielles Spurenelement, das aus der Nahrung (d.h. Fisch, Fleisch und Getreide) gewonnen wird und nachweislich den Schweregrad einer Reihe von Viruserkrankungen bei Tieren und Menschen beeinflusst. So hat sich z.B. der Selenstatus bei HIV-Infizierten als wichtiger Faktor für das Fortschreiten des Virus zu AIDs und den Tod durch die Erkrankung erwiesen.

Bekannterweise gibt es in China Bevölkerungsgruppen, die sowohl den niedrigsten als auch den höchsten Selenstatus weltweit haben, was auf geografische Unterschiede im Boden zurückzuführen ist. Diese Unterschiede wirken sich darauf aus, wie viel des Spurenelements in die Nahrungskette gelangt.

Margaret Rayman, Professorin für Ernährungsmedizin an der Universität von Surrey, erklärt “Angesichts der Geschichte von Virusinfektionen im Zusammenhang mit Selenmangel haben wir uns gefragt, ob das Auftreten von COVID-19 in China möglicherweise mit dem Gürtel des Selenmangels zusammenhängen könnte, der sich vom Nordosten bis zum Südwesten des Landes erstreckt.“

Bei der Untersuchung von Daten aus Provinzen und Gemeinden mit mehr als 200 Fällen und Städten mit mehr als 40 Fällen stellten die Forscher fest, dass sich Gebiete mit einem hohen Selengehalt mit größerer Wahrscheinlichkeit von dem Virus erholen würden. So war beispielsweise in der Stadt Enshi in der Provinz Hubei, die die höchste Selenaufnahme Chinas aufweist, die Heilungsrate (Prozentsatz der COVID-19-Patienten, die als “geheilt” deklariert wurden) fast dreimal höher als der Durchschnitt aller anderen Städte in der Provinz Hubei. Im Gegensatz dazu war in der Provinz Heilongjiang, in der die Selenaufnahme zu den niedrigsten der Welt gehört, die Todesrate von COVID-19 fast fünfmal so hoch wie der Durchschnitt aller anderen Provinzen außerhalb von Hubei.

Des Weiteren konnten die Forscher herausfinden, dass die Heilungsrate von COVID-19 in 17 Städten außerhalb von Hubei signifikant mit dem Selenstatus (gemessen an der Selenmenge im Haar) assoziiert war.

Kate Bennett, eine medizinische Statistikerin an der Universität Surrey, sagte: “Es besteht ein signifikanter Zusammenhang zwischen dem Selenstatus und der Heilungsrate von COVID-19, es ist jedoch wichtig, diesen Befund nicht überzubewerten; wir konnten nicht mit Daten auf individueller Ebene arbeiten und waren nicht in der Lage, andere mögliche Faktoren wie Alter und Grunderkrankung zu berücksichtigen.“

Ramy Saad, ein Arzt am Royal Sussex County Hospital in Brighton, der derzeit einen MSc-Abschluss in Ernährungsmedizin am Department of Nutritional Sciences in Surrey macht, kommentierte: “Die Korrelation, die wir festgestellt haben, ist überzeugend, insbesondere angesichts früherer Forschungsarbeiten über Selen und Infektionskrankheiten. Daher ist eine sorgfältige und gründliche Bewertung der Rolle, die Selen in COVID-19 spielen kann, sicherlich gerechtfertigt und kann dazu beitragen, die laufenden Entscheidungen im Bereich der öffentlichen Gesundheit zu lenken”.

Quellen

Margaret P Rayman, Ramy Saad, Kate Bennett, Ethan Will Taylor, Jinsong Zhang. Association between regional selenium status and reported outcome of COVID-19 cases in ChinaThe American Journal of Clinical Nutrition, 2020; DOI: 10.1093/ajcn/nqaa095

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