Was ist Spermidin?

Was ist Spermidin

Spermidin ist derzeit ein Star. Es gibt Indizien, dass Spermidin gegen COVID-19 helfen soll – Christian Drosten und die Charité forscht hier. Es soll gegen Bluthochdruck wirken und sogar lebensverlängernd sein. All das und viel mehr untersucht die Forschung aktuell.

Aber was ist dieses Spermidin? Das hört sich doch verdächtig nach einer Körperflüssigkeit an? Sehen wir uns ein wenig die Chemie hinter dem Stoff an und was bis jetzt sicher geklärt ist.

Spermidin und Sperma. Das klingt doch ähnlich?

Der Name sagt es schon: Spermidin und Sperma haben tatsächlich einiges miteinander zu tun. Spermidin ist nämlich ein Zwischenprodukt bei der Bildung von Spermin. Das wiederum ist im männlichen Sperma enthalten. Es ist eine stickstoffhaltige Base und kommt in allen lebenden Organismen und Körperzellen vor.

Das kommt nicht von ungefähr, denn das Zellwachstum hängt eng mit Spermidin zusammen. Was aber das Spermidin genau in den Zellen macht, ist noch nicht ganz geklärt.

Spermidin kommt auch in unzähligen Nahrungsmitteln vor. Während zum Beispiel (zellfreies) Ejakulat 15 bis 50 mg pro Liter enthält, können Weizenkeime pro Kilogramm das fünf- bis sechzehnfache enthalten. Sojabohnen, gereifter Cheddarkäse oder Kürbiskerne haben auch einen sehr hohen Gehalt.

Ein Organismus mit schnellerem Stoffwechsel enthält auch mehr Spermidin. Ist der Stoffwechsel langsamer, wird auch weniger Spermidin produziert. Mit dem Alter nimmt die Konzentration entsprechend ab.

Als junger Mensch beim Wachsen, während der Schwangerschaft oder nach sportlicher Anstrengung erhöht sich der Spermidin-Wert. Ebenso ist das bei der Regeneration der roten Blutkörperchen, nach Blutarmut oder -verlust sowie nach langem Aufenhalt in den Bergen warst der Fall. Auch einige Krankheiten, wie Entzündungen, verursachen einen höheren Spermidin-Gehalt.

Es scheint also den Körper zu regenerieren oder ihm dabei zu helfen.

Hier stecken die Indizien drin, warum vom „Wundermittel“ Spermidin gesprochen wird. Hilft es beim Abnehmen? Verlangsamt es den Alterungsprozess?

Spermidin in der Forschung

Wenn du nach Spermidin suchst, kommt dir wahrscheinlich häufig die „Autophagie“ unter. Das ist jener Prozess in den Zellen, der die eigenen Bestandteile abbaut. Im Rahmen von Spermidin betrifft das vor allem die Kardiomyozyten (Herzmuskelzellen). Genau hier vermutet die Forschung, dass Spermidin positive Auswirkungen hat. Ähnliches gilt für die altersbedingte Demenz.

Gerade bei der Herzfunktion wies man zumindest schon bei Labormäusen nach, dass Spermidin vor Herzkreislauf-Erkrankungen schützt – es kann bei diesen Lebewesen zu Lebensverlängerung beitragen. Bluthochdruck, Herzalterung und die Nierenfunktion werden bei den Tieren allesamt positiv beeinflusst.

Eine interessante Studie kam im August 2018 aus Österreich, Frankreich und England. Hier haben Forscherinnen und Forscher in einer über 20 Jahre laufenden Untersuchung an 829 Menschen festgestellt, dass Personen mit höherer Spermidinaufnahme (z. B. über Nahrung) ein niedrigeres Sterberisiko als gleichaltrige Personen mit geringerer Spermidinaufnahme hatten.

Weil schon kurz die Demenzbehandlung erwähnt wurde: 2018 wurde auch in einer Studie herausgefunden, dass Spermidin einen positiven Einfluss auf die Gedächtnisleistung haben kann.

Im November 2019 trafen sich Experten zum Austausch und befanden, dass in Spermidin viel therapeutisches Potenzial liegt. Es könnte somit sein, dass eine Supplementation ab dem mittleren Alter eine Option wäre. Es fehlt jedoch noch an Untersuchungen und Studien, um diese Ergebnisse ausreichend nachzuweisen. Noch gibt es deswegen keine Empfehlung für den Praxisalltag.

Sonderfall Corona: Spermidin und COVID-19

Wer in Deutschland die Nachrichten verfolgt hat, wird seit der Pandemie einen Namen gehört haben: Christian Drosten. Virologinnen und Virologen der Charité Berlin um Marcel Müller und ihn zeigten, dass mit SARS-CoV-2 infizierte Lungenzellen positiv auf Spermidin ansprechen. Durch eine Injektion nahm die Viruslast um 85 % ab.

Zusätzlich wurde eine Schutzwirkung durch Spermidin nachgewiesen. Zellen, die vor der Infektion mit Spermidin behandelt wurden, waren besser geschützt. Deswegen schlossen die Forscherinnen und Forscher im April 2020, dass Spermidin potenziell zur Therapie und Prävention eingesetzt werden könnte. Es fehlen aber noch aussagekräftige Studien an Menschen – nicht nur an deren Zellen – und ob die benötigte Spermidinkonzentration sich auch über die orale Einnahme gewährleisten lässt.

Hier heißt es also noch abwarten.

Nebenwirkungen von Spermidin

Im Januar 2018 erschien auch eine Studie zur Verträglichkeit von Spermidin. Die Forscher untersuchten dabei eine Dosis von 1,2 mg pro Tag an kognitiv beeinträchtigten Menschen. Sie vertrugen den Stoff gut.

Jedoch sind die üblichen Dosen, um eine Wirkung zu erzielen, um ein Vielfaches höher. Deswegen gibt es derzeit noch keine Aussagen, wie die Verträglichkeit bei hohen Dosen aussieht.

Aus diesem Grund gibt es auch noch kein zugelassenes Arzneimittel auf Spermidin-Basis. Es gibt derzeit aber Nahrungsergänzungsmittel.

Spermidin ein Wundermittel? Möglicherweise.

Spermidin kann ein Star der Medizin werden. Gerade die mögliche Wirkung bei SARS-CoV-2 (COVID-19) oder bei der Zellalterung verhalfen dem Stoff in viele Medien.

Die Indizien sind jedenfalls da, dass in Zukunft möglicherweise eine Spermidin-Supplementation völlig normal wird. Derzeit lässt sich jedoch aufgrund der Forschungslage noch nichts Genaueres sagen. Weder die Dosis, noch der Anwendungsfall oder die Anwendungsart sind derzeit festgesetzt.

Gerade zur Bioverfügbarkeit (die Aufnahmerate des Organismus) gibt es noch keine Studien – hier weiß man ebenfalls nichts.

Was Spermidin möglicherweise alles kann, wissen wir. Wie wir es in Zukunft dann verwenden, noch nicht. Der Stoff hat jedenfalls viel Potenzial.

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